Selbst geschrieben!

#Writing Friday – Fliegen

Hey Leute,

Bei den letzten Freitagen habe ich irgendwie geschlafen, aber heute bin ich endlich wieder zum Schreiben gekommen. Das ganze ist eine leichte Sommergeschichte geworden, die mich aber von den Charakteren her schon irgendwie herausgefordert hat, da das eigentlich weder mein Genre noch mein Stil oder meine Figuren sind. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Fliegen

Sommergefühle. Darauf schiebe ich immer meine Ideen, die jedes Jahr um diese Zeit auftauchen. Wobei Ideen vielleicht nicht das richtige Wort ist. Erkenntnisse? Phasen? Kreativität? Wohl etwas von allem. Dieses Jahr möchte ich fliegen lernen. Ich möchte meine Flügel ausbreiten können und frei und unbesorgt durch die Lüfte schweben. Und das ist nicht metaphorisch gemeint! Nein, ich rede hier von einem waschechten Flugzeug, das ich selbst zusammengebastelt habe. Und nun hätte ich endlich die Gelegentheit es auszuprobieren. Ich war deswegen schon ganz hibbelig! „Still sitzen und aufessen!“ ermahnt mich auch jetzt wieder meine Abuela, die Mutter meiner Mutter. Das Flugzeug erschien mir, wie jedes Jahr, das Projekt zu sein, das alle anderen übertraf. Doch vieleicht würde ich mich schon nächstes Jahr dem Vorhaben einer Pflanzenwand widmen oder gar ein Fahrrad mit solarbetriebener Sitzheizung erfinden. Die Möglichkeiten sind endlos! Schnell stelle ich meine Schüssel in die Küche und stürme in unseren Garten, wo der Start stattfinden soll. Unser Garten gleicht eher einem riesigen Feld, das aber nicht mehr bepflanzt werden kann, da es nicht mehr genug Nährstoffe hat. Das Flugzeug wartet schon geduldig auf mich, aber ich kann mich allein von seinem großartigem Anblick schon kaum losreißen. Doch dann steige ich ein und mache mich bereit, abzuheben. Wirklich gut fliegen kann es zwar nicht, doch eine Höhe von 20 Metern ist bei der Größe noch drin. Meine Abuela hatte zwar trotz des Kurses, den ich bei einem ehemaligen Piloten absolviert habe, einige Bedenken, der Sache aber letztendlich zugestimmt, unter der Bedingung, dass ich mich nicht zu weit vom Haus entfernen und auf unserem Grundstück bleiben würde. Nichts anderes habe ich ohnehin vor, da unser Nachbarsjunge die Nettigkeit nur in (sparsamen) Maßen abonniert hat. Doch ich schiebe all diese Gedanken zur Seite und schnalle mich an. Schon jetzt kann ich mir ein Lächeln kaum verkneifen. Ich werde fliegen! Ich lasse den Motor an und beginne mit dem Start, der auch einigermaßen gut gelingt. Ein Jauchzer entfährt mir in der Luft begleitet von dem Gefühl schwerelos zu schweben. Dieser Moment hält leider nicht lange, als ich von unten einen Pfiff höre. Und da steht er auch schon: Der Nachbarsjunge! Breitbeinig, die Hände in den Hosentaschen vergraben, sieht er mich an. Meine Verblüffung weicht bei diesem Anblick sogleich der Verärgerung. Nicht ein Mal kann man seine Ruhe haben! Und Jonas ist wirklich nervig! Eingebildet und arrogant, doch für ein Badboy Image reicht es leider trotz seinen Mühen nicht, da seine Eltern sehr streng sind und darauf bestehen, dass er viel auf der Farm hilft. Seinem Körperbau schadet das aber nicht, wie ich mir erneut mit zusammen gebissenen Zähnen eingestehen muss. Doch ich durchschaue seine Maschen und lasse mich trotzdem nicht beeindrucken. Was soll ich überhaupt mit so einem Typen? Bei seinem Ego ist ohnehin kein Platz für eine zweite Person. Nein danke, ich verzichte! Ich brauche nun wirklich keinen Jungen zum Flirten; an unserer Schule gibt es schließlich auch ein paar tolle Mädchen, die was drauf haben. Und doch scheint er mich nie in Ruhe lassen zu können. Jetzt vollends genervt, lande ich vorsichtig und möchte gerade aussteigen, da wird mir auch schon die Hand gereicht. Ich verdrehe die Augen, ignoriere sie geflissentlich und springe kurzer Hand selbst herunter. Ich stemme die Hände in die Hüften und frage so autoritär wie es mir bei meiner bescheidenen Größe möglich ist „Was willst du eigentlich hier?“. Normalerweise kommt er nämlich nicht einfach auf unser Grundstück, sondern nervt mich lieber von seiner Terrasse aus. „Ich kann doch den goldenen Moment des Fluges nicht verpassen“, grinst er. Am liebsten würde ich ihm jetzt eine hauen, aber das darf ich nicht und seine Eltern sagen es leider immer meiner Abuela. Ich starre ihn an. „Ernsthaft?! Du hast mich gerade vom Himmel geholt und mir meinen Tag versaut! Lass mich einfach in Ruhe!“ „Das will ich ja, doch es geht nicht“, antwortet er fast flehentlich. „Bitte, ich möchte dich nur kennenlernen“, schiebt er noch schnell dazwischen, als ich mich abwenden möchte. Ich bin gerade dabei, ihm so richtig meine Meinung geigen zu wollen, da entdecke ich etwas Ehrliches in seinen Augen. Verwirrt halte ich inne. Ist das etwa ernst gemeint? Niemals! Doch als ich wieder einsteigen möchte, werde ich plötzlich von einer Hand zurückgehalten. Ich drehe mich um und sehe ihn an. Seine Augen haben einen flehenden Ausdruck angenommen. Und jetzt verstehe ich, was so viele an diesen haselnußbraunen Augen finden, die ich immer eher als matschig beschrieben hätte. Er scheint mich zu sehen, mich wirklich zu sehen. Und zum ersten Mal habe ich das Gefühl, auch ihn richtig zu sehen. „Du bist wundervoll“, flüstert er beinahe abwesen und legt mir wie in Trance einer Hand an die Wange. Mit einem groben „Nicht so schnell“ schüttele ich sie ab und gebe mir einen Ruck. Doch meine verräterischen Gedanken wandern trotzdem immer wieder dahin zurück. Mir steigt das Blut ins Gesicht, als mir bewusst wird wie nahe wir uns sind und von hier sehen seine Muskeln irgendwie doch ganz gut aus. Anstatt mich damit aufzuziehen, wie er es sonst bei jeder Gelegenheit tun würde, wendet er sich ab und geht langsam. Die Resignation bleibt mir trotz seines aufrechten Ganges nicht verborgen. ‚Was ist nur los mit ihm?‘, frage ich mich und gleich darauf ‚Was ist nur los mit mir?‘, als ich ihn zurückrufe. „Wenn du willst, könntest du ja mal eine Runde mitfliegen…“, schlage ich beinahe zurückhaltend vor. Sein Gesicht hellt sich auf und er kommt schnell wieder „Das würde mir gefallen“, gibt er fast schüchtern zu. Kurze Zeit später sitzen wie beide im Flugzeug und ich starte ein zweites Mal. Und auch der zweite Flug ist genauso berauschend wie der erste, nur dass sich der Wind plötzlich anders anfühlt: Er riecht nach Sommer.

Ich hoffe ihr konntet den Sonnenschein genießen! Natürlich ist diese Geschichte nicht besonders realistisch geschrieben, aber darum geht es in diesem Fall ja auch wirklich nicht (ist vielleicht mehr so ein Sommertraum). Ansonsten freue ich mich schon auf die anderen tollen Beiträge!

Alles Liebe

Lotte

2 Kommentare zu „#Writing Friday – Fliegen

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