Gedanken · Selbst geschrieben!

#Writing Friday – Auswandern

Hey Leute,

Ich schaffe es endlich wieder mal hier teilzunehmen (die letzten Wochen waren ein wenig trubelig). Ist diesmal keine klassische Geschichte, sondern vielmehr ein Gedankenspiel geworden. Viel Spaß beim Lesen!

Auswandern

Ich wandere aus. So ein merkwürdiger Satz. Woraus denn? Wovor fliehst du? Treiben dich die grauen, tristen Straßen? Pustet dich der Wind? Sind deine Wurzeln gerissen? Du wanderst aus. Wohin nur? In eine andere Welt? In eine anderes Land? Nein. Ich möchte gar nicht auswandern. Möchte in keinem anderen Land gerade leben. Meine Wurzeln sind tief und wachsen in dieser Erde. Nur dieses Wasser weiß mich zu nähren, nur diese Sonne weiß mich zu wärmen. Deshalb bleibe ich. Und wenn die Zeit da ist werde ich mich bewegen, aber auswandern? Kann ich einen Teil von mir irgendwo verlassen, zurücklassen? Vielleicht. Aber ich möchte ein Ganzes sein. Ein Ganzes, das Trost spenden, lieben, leben kann. Ein Ganzes.

Doch bin ich wirklich immer ich? Wandere ich nicht auch manchmal aus? Auswandern. Wohin? In eine andere Perspektive. Dahin möchte ich manchmal auswandern. Mein Leben mit anderen Augen sehen. Andere Leben mit anderen Augen sehen. Der Mann, der sich vordrängelt möchte vielleicht schnell wieder zu seiner Frau im Krankenhaus. Die Frau, die dich böse angeschaut hat, hat ihre beste Freundin verloren, während du deine noch hast. Das Kind, das in der Straßenbahn ununterbrochen schreit, muss Gewalt zu Hause mitansehen. Du kennst die Menschen nicht. Und all das ist eher unwahrscheinlich. Aber möglich. Und wenn du auswanderst in eine andere Perspektive, in der du nicht davon genervt bist, so wird auch dein Leben ein klein wenig heller. Ja, du wärst vielleicht auch etwas glücklicher. Wandere ruhig mal aus! Sieh dir die Welt mit fremden Augen an – sie bleibt schön.

Auswandern. Tun wir alle das nicht jeden Tag? Entfernen wir uns nicht jeden Tag von der Person, die wir gestern oder vor einem Jahr waren? Streben wir nicht danach, besser zu sein? Der Mensch werden, der wir tief im Innern zu sein glauben? Jeden Tag wandern wir aus uns heraus. Jeden Tag erforschen wir Grenzen und überschreiten sie. Jeden Tag. Und jeden Tag wandern wir zu uns hin. Begrüßen unser neues Ich. Und erreichen vielleicht nie ganz den Menschen, der wir sein wollen. Doch wir wandern. Wir wandern aus uns heraus und in uns hinein. Jeden Tag. Wir begegnen uns selbst bei dieser Wanderung, erkennen uns, lernen uns kennen und manchmal vergessen wir uns auch. Doch wir wandern aus. Das Ziel ist unbestimmt, der Weg steinig, manchmal haben wir auch Gegenwind oder müssen umkehren, um eine andere Abzweigung zu nehmen. Doch wir laufen auf dem Weg, den wir gewählt haben. Wir wandern aus, wandern wohin. Auswandern.


Ich hoffe, ihr habt auch Lust zum Auswandern bekommen! Tatsächlich war ich mit der Frage zuerst ein wenig überfordert, da ich gar nicht das Bedürfnis habe, auszuwandern, sondern eigentlich so ganz zufrieden bin (wenn ich dann die Zeit gekommen ist, zur Uni zu gehen, habe ich aber auch kein Problem damit, auszuziehen). Der Beitrag ist zu Teilen auf der Rede „This is water“ aufgebaut, zu der ich vielleicht irgendwann (wenn ich meine jetzige Rezension mal beende) eine Rezension schreibe (ich habe die Rede mal als Buch bekommen). Ansonsten freue ich mich schon auf die vielen anderen Beiträge!

Alles Liebe

Lotte

Ein Kommentar zu „#Writing Friday – Auswandern

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