Allgemein · Thriller

Vanitas: Schwarz wie Erde

Ursula Poznanski — Taschenbuch 10,99€ — 384 Seiten — Knaur Verlag — Hörbuch mit Luise Helm 6,99€ — Argon Hörbuch

Inhalt

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in der Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel in Frankfurt einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte …

Review

Endlich wieder eine neue Thriller-Reihe von meiner Lieblingsautorin auf dem Gebiet: Ursula Poznanski! Ich habe sehr lange überlegt mir das Buch anzuschaffen und war auch mehrmals kurz davor, bis ich es dann bei Spotify als Hörbuch gefunden habe. Also dachte ich mir, warum nicht und habe angefangen es dort zu hören. Das ist tatsächlich eines meiner ersten Hörbücher überhaupt (bis her habe ich nur die letzten beiden Bände der Someone-Reihe gehört, die mir als Hörbuch besser gefallen haben, als in gedruckter Form) und dadurch auch der erste Thriller, den ich gehört habe. Und ich muss schonmal im voraus sagen, ich bin begeistert! Jetzt höre ich bereits den zweiten Band, zu dem vielleicht auch noch eine Rezension folgen wird… Aber zunächst mal: Was hat mich an dem Buch so begeistert?

Natürlich muss ich erstmal den Schreibstil wieder in den Himmel loben. Kaum einer schafft es, mich mit der bloßen Atmosphäre so in den Bann zu ziehen, wie Ursula Poznanski. Die Stimmung, die sie schon am Anfang des Buches aufbaut und dann im Verlauf immer weiter intensiviert, ist packend, düster und beklemmend. Sie hat in mir ein richtiges Unbehagen ausgelöst, obwohl die Handlung zu Beginn eigentlich eher ruhig verläuft. Hinzu kommen sehr detaillierte Beschreibungen aller Personen und wichtigen Orte, der Leser fühlt sich in der Geschichte regelrecht als daneben stehender Beobachter. Die Sicht von Carolin wird mit all ihren Ängsten, Wünschen und Traumata authentisch dargestellt, die Protagonistin bleibt so verständlich, aber aufgrund ihres ungewöhnlichen Hintergrunds immer noch interessant.

Die Handlung war ebenfalls sehr ansprechend und hat einen nach und nach immer mehr in den Bann gezogen. Gerade am Anfang lernt man erstmal Carolin und ihre Situation in Wien kennen, ohne irgendwelche Hintergrundinformationen zu bekommen. Man wird sofort in die Geschichte katapultiert und folgt Carolin durch ihren Alltag, der von so vielen Angewohnheiten geprägt ist, die lediglich zur Überprüfung ihrer Umgebung dienen, und bei deren Beobachtung man sich immer wieder fragt, wieso sie diese angenommen hat. Das Verbrecher-Syndikat, das damit ständig in Verbindung gebracht wird, kommt im Buch nur sehr sporadisch vor. Die Erzählung selbst wechselt zwischen Szenen außerhalb der Protagonistin, die vor allem die Morde aus Sicht der Opfer beschreiben. Zusätzlich zu Carolins Perspektive in der Gegenwart, zeigen Flashbacks Ausschnitte aus Carolins schwieriger Vergangenheit. Dazu vielleicht eine Triggerwarnung: Die Szenen werden sehr graphisch und detailreich beschrieben und beinhalten unter anderem brutale Folter und Suizidgedanken. Es ist aber verständlich und auch wirksam, dass die Szenen in einem solchen Ausmaß beschrieben wurden, da sie doch sehr stark verdeutlichen, warum Carolin so paranoid und übervorsichtig handelt. Ihre Denkweise wird dem Leser durch diese wenigen Szenen gleich viel einleuchtender und man versteht die Beweggründe der Protagonistin besser.

Carolin selbst ist eine absolut faszinierende und packende Protagonistin, die trotz ihrer schieren Überzahl an seelischen und physischen Narben immer noch am Leben ist und am Leben sein möchte. Durch ihren ungewöhnlichen Hintergrund scheint sogar ein Gang zum Supermarkt wie ein Lauf durch ein Tretmienenfeld. Carolin ist eine Protagonistin, die weint, zusammenbricht, die vor Angst paralysiert wird, aber auch jemand, der perfekt Dialekte immitieren kann, ohne Schwierigkeiten Ausweise fälscht und auch in den gefährlichsten
Situationen immer noch ruhig und gelassen bleibt. Diese spannungsgeladene Mischung sorgt gerade in Kombination mit ihrer oft überhandnehmenden Neugier dafür, dass sowohl die Handlung, als auch die Atmosphäre interessant und abwechslungsreich werden. Sie ist auch der Grund, warum die Handlung eher langsam beginnt: Ihr Charakter trägt das Buch und da sie so real und vielschichtig erscheint, braucht man eine ausführliche Beschreibung ihrer Persönlichkeit. Dadurch, dass man aber insgesamt so wenig zu ihrer Vergangenheit erfährt, bleibt ihre Figur auch noch für die nachfolgenden Bände ungewöhnlich und interessant.

Auch die anderen Figuren sind nur selten eindimensional, sondern haben ebenfalls verschiedene Beweggründe, die ihr Handeln bestimmen. Alle sind sehr menschlich dargestellt und haben sowohl gute als auch schlechte Seiten und vor allem sorgfältig ausgearbeitete Hintergründe. Gerade die Auflösung des Falls war sehr gut durchdacht und hat zudem auf Probleme, die immer noch in der Gesellschaft existieren, aufmerksam gemacht. Man wurde als Leser mitgerissen und konnte sich schnell mit den Figuren anfreunden, was auch dann das Ende umso überraschender gestaltet hat (wobei ich was Bücher angeht immmer nur schwer das Ende absehen kann; ich will mir irgendwie nie etwas spoilern 😉 ).

Da ich ja das Hörbuch gehört habe, kann ich nun natürlich auch hier nochmal darauf eingehen: Mir hat es tatsächlich sehr gut gefallen! Das Vorlesen ist natürlich viel langsamer als mein normales Lesetempo, aber da ich beim Lesen meistens die Seite erst überfliege und dann im Detail lese (was bei einem Thriller oft schon wichtige Handlungspunkte vorweg nimmt), fand ich es echt toll so etwas zu hören, da ich dann wirklich dazu „gezwungen“ werde, mir schon sofort alle Beschreibungen, die ja dieses Buch gerade auch ausmachen, anzuhören. Die Stimme von Luise Helm war ebenfalls sehr dunkel und warm, was ich sehr passend fand, da sie ebenfalls eine gewisse Atmosphäre erzeugen konnte. Es passte auch wirklich fantastisch zu Carolins Charakter und hat sie mir irgendwie noch sympathischer gemacht. Zudem muss ich echt lobend erwähnen, dass auch der sächsische Dialekt, den Carolin an einer Stelle nutzt, wirklich herbvorragend immitiert wurde (und ich hätte sonst auch gar nicht so genau gewusst, wie er sich anhört, da ich nicht aus der Region komme). Ich kann also gerade das Hörbuch nur empfehlen!

Fazit

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, sowohl Figuren als auch Schreibstil haben fantastisch miteinander harmoniert! Die Atmosphäre war, wie in all ihren Romanen, wieder einmal spannungsgeladen und mitreißend und hat mich in Kombination mit der interessanten Handlung durchaus auf Trapp gehalten. Insgesamt war die Handlung auch nicht typisch für Ursula Poznanski, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, da dies das Buch eigentlich nur unvorhersehbarer und packender gestaltet hat. Das Hörbuchformat konnte sowohl die Atmosphäre als auch die Figuren nur unterstützen; allgemein fand ich diese Erfahrung auch wirklich sehr angenehm und empfehlenswert. Das Buch hat mich also alles in allem echt begeistert und ich höre jetzt schon mit Freude den zweiten Band!


Habt ihr das Buch schon gelesen? Wie fandet ihr es? Kennt ihr sonst noch andere tolle Thriller? Und habt ihr schonmal was von Ursula Poznanski gelesen? Einen sehr prägnanten Beitrag zu dem Buch findet ihr sonst auch bei Relevant Books. Ich hoffe, ihr habt Lust in das Buch mal rein zu schnuppern!

Alles Liebe

Lotte

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